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Raglan von oben stricken: So berechnest du Maschen und Zunahmen
Veröffentlicht: 22. September 2026
Ein Raglanpullover von oben wird in einem Stück vom Halsausschnitt abwärts gestrickt. Vier schräge Raglanlinien verbinden Rückenteil, Vorderteil und Ärmel – und du kannst den Pulli beim Stricken jederzeit anprobieren. Damit er passt, brauchst du nur deine Maschenprobe, drei Maße und ein paar einfache Rechenschritte.
So funktioniert ein Raglan von oben
Du schlägst die Maschen für den Halsausschnitt an, schließt sie zur Runde und teilst sie mit vier Maschenmarkierern in vier Abschnitte: Rückenteil, Ärmel, Vorderteil, Ärmel. In jeder Zunahmerunde nimmst du vor und nach jedem Markierer eine Masche zu – das sind 8 Maschen pro Zunahmerunde. Dazwischen strickst du meist eine Runde ohne Zunahmen. So entstehen die typischen schrägen Raglanlinien. Sobald Körper und Ärmel weit genug sind, legst du die Ärmelmaschen still und strickst den Körper in Runden weiter.
Für die Berechnung brauchst du deine Maschenprobe in Maschen und Runden, den Umfang des Halsausschnitts (nicht deinen Halsumfang!), die gewünschte fertige Oberweite und deinen Oberarmumfang. Im Beispiel rechnen wir mit 20 Maschen und 28 Runden auf 10 cm, also 2 Maschen und 2,8 Runden pro Zentimeter.
Schritt 1: Maschen für den Halsausschnitt
Ein Halsausschnitt für Erwachsene hat meist 50 bis 56 cm Umfang. Multipliziere den gewünschten Umfang mit deinen Maschen pro Zentimeter (wie das allgemein funktioniert, zeigt der Ratgeber Wie viele Maschen anschlagen?):
- Anschlag = Umfang des Halsausschnitts × Maschen pro cm
- Beispiel: 54 cm × 2 Maschen/cm = 108 Maschen
Passt die Zahl nicht zu deinem Bündchenmuster, runde auf die nächste passende Zahl – bei 2/2-Rippen also auf ein Vielfaches von 4.
Schritt 2: Maschen auf Rücken, Vorderteil und Ärmel verteilen
Die klassische Faustregel lautet: Rückenteil und Vorderteil je ein Drittel, jeder Ärmel ein Sechstel der Anschlagmaschen.
- Rückenteil: 108 ÷ 3 = 36 Maschen
- Vorderteil: 108 ÷ 3 = 36 Maschen
- Ärmel: 108 ÷ 6 = je 18 Maschen
Die vier Markierer setzt du jeweils zwischen die Abschnitte. Manche Anleitungen arbeiten zusätzlich mit eigenen Raglanmaschen, zum Beispiel 1 bis 2 Maschen pro Raglanlinie – dann ziehst du diese Maschen vor dem Verteilen ab. Für einen besseren Sitz kannst du außerdem mit verkürzten Reihen eine Nackenerhöhung stricken. An der Maschenrechnung ändert das nichts, hinten wird die Passe dadurch aber etwas länger.
Schritt 3: Zielmaschen an der Achsel berechnen
Am Ende der Raglanpasse müssen Körper und Ärmel so weit sein, dass sie zusammen mit den Maschen, die du unter den Armen neu anschlägst, die fertige Weite ergeben. Im Beispiel schlägst du unter jedem Arm 6 cm = 12 Maschen neu an.
- Körper: fertige Oberweite 104 cm × 2 Maschen/cm = 208 Maschen. Davon stammen 2 × 12 Maschen aus dem Anschlag unter den Armen, es bleiben 184 Maschen – also 92 Maschen für das Rückenteil und 92 für das Vorderteil.
- Ärmel: Oberarmumfang 32 cm plus 4 cm Zugabe = 36 cm; 36 cm × 2 Maschen/cm = 72 Maschen. Abzüglich der 12 Achselmaschen bleiben 60 Maschen je Ärmel.
Die fertige Oberweite ist dein Brustumfang plus Bewegungszugabe: körpernah 0–5 cm, klassisch 5–10 cm, locker 10–15 cm. Unter dem Arm schlägt man bei Erwachsenen meist 4 bis 8 cm neu an, bei großen Größen auch mehr.
Schritt 4: Zunahmerunden berechnen
Pro Zunahmerunde wächst jeder Abschnitt um 2 Maschen – eine an jedem Rand. Die Zahl der Zunahmerunden ist deshalb die Differenz aus Ziel- und Anfangsmaschen, geteilt durch 2:
- Körper: (92 − 36) ÷ 2 = 28 Zunahmerunden
- Ärmel: (60 − 18) ÷ 2 = 21 Zunahmerunden
Die Ärmel brauchen also 7 Zunahmerunden weniger als der Körper. Am einfachsten nimmst du zuerst 21-mal an allen vier Markierern zu und danach noch 7-mal nur am Körper, also nur noch an den Seiten von Rücken- und Vorderteil. Du kannst die reinen Körperzunahmen auch über die ganze Passe verteilen.
| Phase | Zunahmerunden | Zunahmen pro Zunahmerunde | Maschen danach (Rücken / Ärmel / Vorderteil / Ärmel) |
|---|---|---|---|
| Anschlag | – | – | 108 M (36 / 18 / 36 / 18) |
| Körper und Ärmel | 21 (in jeder 2. Runde) | +8 M | 276 M (78 / 60 / 78 / 60) |
| Nur Körper | 7 (in jeder 2. Runde) | +4 M | 304 M (92 / 60 / 92 / 60) |
Probe: 108 + 21 × 8 + 7 × 4 = 304 Maschen. Das sind genau deine Zielmaschen (92 + 60 + 92 + 60) – Anschlag und Zunahmen passen also zusammen.
Schritt 5: Raglantiefe prüfen
Jetzt kommt die Rundenzahl ins Spiel. 28 Zunahmerunden in jeder 2. Runde ergeben 56 Runden. Bei 2,8 Runden pro Zentimeter sind das 56 ÷ 2,8 = 20 cm Raglantiefe. Bei Damengrößen liegt sie meist bei etwa 19 bis 23 cm, bei Herren- und großen Größen oft darüber. Den passenden Wert misst du am besten an einem gut sitzenden Pullover nach: hinten vom Halsausschnitt senkrecht nach unten bis auf Höhe der Achsel.
- Raglan zu kurz: Stricke zwischendurch einige Runden ohne Zunahmen oder nimm stellenweise nur in jeder 3. Runde zu.
- Raglan zu lang: Nimm am Körper einige Male in jeder Runde zu statt in jeder 2. Runde.
Vor dem Teilen lohnt sich die Anprobe: Zieh die Maschen auf eine lange Rundnadel oder einen Faden und probiere den Pulli an. Die Passe sollte bis knapp unter die Achsel reichen, ohne zu spannen.
Körper und Ärmel teilen
Lege die 60 Maschen jedes Ärmels auf einen Faden oder eine Hilfsnadel still und schlage unter jedem Arm 12 Maschen neu an. Der Körper hat dann 92 + 12 + 92 + 12 = 208 Maschen und damit genau die geplanten 104 cm. Für die Ärmel nimmst du später aus den angeschlagenen Achselmaschen wieder 12 Maschen auf: 60 + 12 = 72 Maschen, also 36 cm Umfang.
Lieber ohne sichtbare Raglanlinien? Dann ist die Rundpasse eine gute Alternative – wie du dort die Zunahmen verteilst, erklärt der Ratgeber Rundpasse von oben stricken.
Häufige Fehler beim Raglan von oben
- Maschenprobe nicht in Runden gestrickt: Viele stricken in Runden fester als in Reihen. Stricke die Probe so, wie du später arbeitest – sonst stimmen weder Weite noch Raglantiefe.
- Ärmel und Körper nicht getrennt berechnet: Wer an allen vier Markierern bis zum Schluss zunimmt, bekommt schnell zu weite Ärmel. Rechne beide Ziele einzeln aus.
- Löcher an den Raglanlinien: Umschläge ergeben eine Lochreihe. Wenn du das nicht möchtest, nimm verschränkt aus dem Querfaden zu.
- Garnmenge unterschätzt: Nahtlos heißt nicht sparsamer: Ein Raglan von oben braucht etwa so viel Garn wie ein genähter Pullover – Richtwerte findest du im Ratgeber Wie viel Wolle für einen Pullover?
Häufige Fragen
Wie viele Maschen schlage ich für einen Raglan von oben an?
Umfang des Halsausschnitts (nicht der Halsumfang!) mal Maschen pro Zentimeter aus deiner Maschenprobe. Bei 54 cm und 20 Maschen auf 10 cm sind das 108 Maschen: je 36 für Rückenteil und Vorderteil und je 18 für die Ärmel.
Wie oft nimmt man beim Raglan von oben zu?
Meist in jeder 2. Runde, jeweils vor und nach den vier Markierern – also 8 Maschen pro Zunahmerunde. Wie viele Zunahmerunden du brauchst, ergibt sich aus der Differenz zwischen Ziel- und Anfangsmaschen, geteilt durch 2 – getrennt für Körper und Ärmel.
Wie tief muss die Raglanpasse sein?
Bei Damengrößen meist etwa 19 bis 23 cm (Herren- und große Größen oft mehr), gemessen hinten vom Halsausschnitt bis auf Höhe der Achsel. Rechne die Gesamtzahl der Runden – bei Zunahmen in jeder 2. Runde doppelt so viele wie Zunahmerunden – mit deiner Rundenzahl pro Zentimeter in Zentimeter um. Ist die Passe zu kurz, strickst du Runden ohne Zunahmen ein; ist sie zu lang, nimmst du am Körper stellenweise in jeder Runde zu.
Was tun, wenn die Ärmel beim Raglan zu weit werden?
Berechne die Zunahmen für Ärmel und Körper getrennt. Brauchen die Ärmel weniger Zunahmen, hörst du an den Ärmeln früher auf und nimmst nur noch an Rückenteil und Vorderteil zu.